Namensträger 15. und 16. Jh.

Küttler – Namensträger in Sachsen im 14. und 15. Jahrhundert

In Sachsen ist der Name Küttler in alten Urkunden aus Dresden, Meißen und Freiberg schon in der Zeit vor 1500 zu finden. Besonders interessant ist eine Kutteler – Sippe aus Freiberg, weil diese nicht nur den Namen Kutteler trägt, sondern Angehörige der Sippe auch noch als Kutler tätig sind. Bei den in Dresden und Meißen genannten Küttlers handelt es sich um angesehene Bürger, die Freiberger Kuttelers gehören eher zur dortigen Unterschicht.

1. Kuttleler aus Dresden

Pauel/Pauwil Kutteler/Kotheler, Bürger und Schöffe der Stadt Dresden,

genannt in zwei Urkunden vom 18.März 1362 und vom 5.Juni 1379 (abgedruckt im Urkundenbuch der Städte Dresden und Pirna, No. 61 bzw. No. 80, S. 45 bzw. 651).

No. 61.: Bürger und Schöffen bezeugen, dass der ehrbare Heinrich von Ebersbach ein Seelhaus gestiftet und mit zwei Pfund Geld von den Brotbänken ausgestattet, der Stadt aber zum Ersatz für die dem Haus zu gewährende Freiheit von Geschoss und Wachdiensten eine Gewandbank unter dem Kaufhause überwiesen hat und dass durch den ehrbaren Lorenz Busman die Ausstattung durch ein Pfund Unschlitt, von welchem immer der dritte Teil in das Regelhaus zu geben sein wird, vermehrt worden ist.
(Geschoss – Steuer, Unschlitt – minderwertiges tierisches Fett, das meist für die Herstellung von Kerzen verwendet wurde.)

No. 80: Die Bürger und Schöffen der Stadt Dresden geloben, nach Anweisung ihrer Herren der Markgrafen an Bischof Johann von Merseburg jährlich 40 Schock guter Prager Groschen halb auf Michaelis und halb auf Walpurgis so lange zu zahlen, bis die Wiedereinlösung durch die Markgrafen erfolgt sein wird. „Daz gelobe wir ym in guten truwen – vnde zcu siner hant den erwern luten ern Siferde Hanfmus, ern Lutolde von Stuternheym, ern Gunther Karazze, ern Michel von Helwigisdorf. – Gegebin – an deme sontage also man singit Benedicata.“

Hannüs Küttler/Köttiler, Bürger, Ratsherr und Schöffe der Stadt Dresden,

genannt in zwei Urkunden vom 1.Dezember 1387 und vom 21.März 1392 (abgedruckt im Urkundenbuch der Städte Dresden und Pirna, No.88 bzw. No.57, S. 73 bzw. 373).

No. 88: „Heinrich Jokerim burgermeister, Jacoff Gross, Hannüs Bülling, Lorencz Püsman, Heinrich Wise, Hannis Küttler, Pauwel Herzog, Hannüs Nüremberg, Nickel Hertil und Jurge Koczenrode radlute der stad zxu Dreßden und die gancze gemeyne arme und riche daselbins zcu Dreßden urkunden, dass sie auf Geheiss des Markgrafen Wilhelm dem Markgrafen Balthasar und dessen Erben eine rechte Erbhuldigung auf den Fall, dass Markgraf Wilhelm ohne Hinterlassung lebensfähiger Erben versterben sollte, geleistet haben, doch unschedeich der huldunge, der wir der hochgeboren frauwen Elizaeth – zcu yrme lipgedinge gethan habin, der wir gewarten sullen zcu eyme lipgedinge alle die wiele sie lebit -. Geben – an deme nesten suntage noch sente Andreae tage dez heiligen zcwolffboten unsers herren Jhesu Cristi.“
In dem Dokument Nr.88 taucht der Name erstmals in der Schreibweise Küttler auf.)

No. 57: Die Bürger und Schöffen der Stadt Dresden geloben, die Vereinbarung, welche Markgraf Jobst von Mähren und Markgraf Wilhelm von Meißen zwischen den Städten Pirna und Dresden und anderen böhmischen und meissnischen Städten und Untertanen insbesondere wegen der Elbschifffahrt und der Niederlage zu Pirna bis auf Widerrufen festgesetzt haben, unverbrüchlich zu halten.

(

Dorothea Kuttillerin

genannt in zwei Urkunden vom August 1403 bzw. vom 28.August 1406 (abgedruckt im Urkundenbuch der Städte Dresden und Pirna, No. 116 und 123, S. 109 bzw. 114).

No. 116: Bürger und Geschworene urkunden, dass die Jungfrau Dorothea Kuttillerin auf den Todesfall die Hälfte eines von ihr erkauften Hauses in der Kreuzgasse zur Wohnung für 12 arme Leute bestimmt, die andere Hälfte aber zum Ersatz für die der ersten Hälfte des Hauses zu gewährende Schossfreiheit der Stadt überwiesen hat.

No. 123: Bürger und Geschworene der Stadt Dresden bezeugen, dass Jungfrau Dorothea Kuttillerin ein von ihr erkauftes Haus in der Kreuzgasse zur Hälfte von Mauerwerk hat ausführen lassen und mit einem halben Stein Unschlitt zur Wohnung für arme Frauen angewiesen, die andere, aus Holzwerk hergestellte Hälfte des Hause aber der Stadt überlassen hat, welche dagegen Stiftungshaus und Unschlitt von der Schosspflicht befreit.

In dem älteren Dokument heißt es u.a. wörtlich: „…und hat das selbe hus czelff arme luthe geschigkit und gesaczt gothe zcu labe und irre selin zcu selicheit, das die gothe dinen sullin; ginge abir der einer abe, so sulde man der stad einen anderen armen menschin nach der burger rate in das hus schigkin und seczin. …“.

Dorothea Kutteler ist in unseren Tagen als Stifterin in ein sogen. Frauenlexikon aufgenommen worden.

2. Kutteler aus Meißen

Niclaus Kutteler, Bürger und Ratsherr der Stadt Meißen

Genannt in einer Urkunde vom 1. März 1418 (Urkundenbuch der Stadt Meißen No. 73, S.49)

Bürgermeister und Rat der Stadt Meißen überlassen dem Terminirer des Dominikanerklosters zu Freiberg Nicl von Molberg und dessen Nachkommen frei von allen städtischen Lasten ein an der Treppe nach dem Schlosse liegendes Haus.

Johann Kutteler, geistlicher Domherr

Genannt in einem Dokument vom 6.Februar 1448 (Urkundenbuch der Stadt Meißen No. 471, S.364)

Der Probst und der Convent bekennen zwei Schock Zinsen an die Äbtissin verkauft zu haben, welche dieselben zu kirchlichen Dienste bestimmt.

In diesem Dokument sind weitere Verkäufe aufgeführt, darunter auch einer an Johann Kuttelere; der Text dazu hat folgenden Wortlaut:

„… Die vorgnanten virundczenzigkgute schogk groschen habin wir furbas in unsres closters trefflichen und mercglichen nutz und frommen gekardt und gewant, nemelichen czwenczigk schogk habin wir vonstund beczalt und gegebin dem ersamen ern Johannße Kuttelere geistlichem thumherren und brudere des Lutern Berges sente Peters bie Halle gelegin, do mitte wir andir czwei schogk ierlicher czinse abegekoufft und gelosit habin, die ym alle iar ierlichenzcu reichene mit sweren und harten briefen von unerm clostere vorschrebin waren,, die andirn vire schogk …“

3. Die Kutteler – Sippe von Freiberg/Sa. im 15. Jhd.

Die Kuttelers aus Freiberg sind anders als die in Dresden und Meißen keine wohl situierten Bürger, sie haben vielmehr häufig Geldprobleme und führen auch sonst nicht immer ein Leben, das man seinerzeit mit ehrsam beschrieb. Sie üben, wie bereits gesagt, noch den Beruf des Kuttlers aus, sie heißen also nicht nur Kutteler, sie sind auch Kuttler.

Ihre Namen finden sich im Urkundenbuch der sächsischen Bergstadt Freiberg in Einträgen aus den Jahren von 1427 bis 1471. Sie sind in Urkunden aus den Jahren 1463 bis 1471 sowie dem so genannten Verzählbuch, das ab 1425 geführt wurde, genannt. Die Familie ist aber schon länger in Freiberg ansässig gewesen, denn in den ab 1378 geführten Bürgeraufnahmelisten ist der Name nicht zu finden. Zum Zeitpunkt der im Urkundenbuch zu findenden Einträge üben zumindest drei der genannten dort noch den Beruf des Kuttlers aus. Die Kuttelers aus Freiberg liefern damit ein Beispiel für die Entstehungsgeschichte unseres Familiennamens. Bei den Einträgen handelt es sich bis auf vier um solche in das sogen. Verzählbuch der Stadt Freiberg, in das Verfehlungen und Vergehen minder schwererer Art eingetragen wurden, um die betreffenden Personen daran zu hindern, sich dem städtischen Gericht oder den Polizeistrafen zu entziehen und sie zur Sühne ihrer Vergehen anzuhalten. Die Kuttelers gaben relativ häufig Anlass zu Einträgen in das Verzählbuch. Dank dieser Einträgen erfahren wir einiges über das Leben dieser Kuttelers.

Die Einträge betreffen überwiegend Männer, es sind aber auch dreimal Frauen genannt, sie tragen folgende Vornamen:

Die Frauen:    Ha. – Hanna ? Kuttelerynne (1427)
Katharina Kutlerynn (1459)    und
Balt. Kuttelerß weib,
alle drei sind jeweils mit einem Eintrag vertreten.

Die Männer:    Balth.- Balthasar (1442 – 64), 9 Einträge
Casp. – Caspar (1439 – 71) 12 Einträge
Hennel (1433 – 57), 4 Einträge
Mat. Mattes – Matthias (1427 + 1430), 2 Einträge
Mich. – Michael (1440 + 1443), 2 Einträge
N. – Nicolaus (1427 + 1446), 2 Einträge
Stewbaus – Stephan ? (1467), eine Nennung in einer Verkaufssache
Stubis ? (1448) 1 Eintrag
Neben diesen mit ihrem eigenen Namen aufgeführten Männer sind einige ihrer Söhne nicht mit eigenem Vornamen genannt –
Mat. Kutteler son
Balt. Kuttelers son
Casp. Kuttelers son
Stewbaus kinder.

Die in Klammern stehenden Jahreszahlen benennen den Zeitraum bzw. die Jahre, aus dem/denen die Einträge stammen.

Die ältesten Männer dieser Sippe dürften die in zwei Einträgen genannten Mattes Kutteler und N. = Nicolaus Kutteler sein. Beide sind in einem Eintrag aus dem Jahr 1427 nur indirekt genannt: Mattes Kutteler als Vater, N. Kutteler als Schwager für wahrscheinlich junge Männer, die sich ungebührlich verhalten haben:

„D.b.l. (Die Bürger lassen) Hennel Ropt, Frau. Cziller, Mat. Kutteler son, Wampe u. N. Kuttelers swoger cum omnibus eorum sequacibus, d.h. sie nachtens umbegelauffen unde ungehuwerlich geschregen haben unde ym huerhuse ungefuget“

Mattes Sohn dürfte um die 20 Jahre alt gewesen sein, sein Vater um die 40. Daraus errechnet sich für Mattes ein Geburtsjahr zwischen 1380 und 1390. Er dürfte damit der älteste der in den Urkunden genannten Kuttelers gewesen sein.

Drei Jahre nach dem zit. Eintrag wird auch Mattes Kutteler selbst zusammen mit seinem Knecht Thomas in das Verzählbuch eingetragen. Beide haben „kuwderme (oder kalbderme) zcu gebunden unde vor swynsderme vorkauft“. Dieser Eintrag gibt den ersten Hinweis auf eine Tätigkeit als Kuttler. N. Kutteler ist 1446 in einer eigener Sache eingetragen worden, weil er zusammen mit anderen „unfuge, die sie an der Nezen in dem winhuse begangen habin“; ihre Strafe lautet: „after hute (unter Aufsicht) uf ire helse“, welche Bedeutung dieser Aussage beizumessen ist, habe ich bisher nicht klären können (Pranger?).

Die drei Einträge der Frauen erfolgten aus folgenden Gründen:

Ha. (Hanna?) Kuttelerynne wird 1427 wegen „büferie“ die sie „gehegit hat“, „von der stadt geweiset“ (büferie=Unzucht);
Katharina Kutlerynn 1459, weil sie dem „Richter uf dem Berge gelt czu bezalen gelobet hat unde nicht gehalt hat“, und
Balt Kuttelerß weib, d.d. (darumbe daz) sie N. Weigel worth zugesagt, der her billichen von ir vorgetragen were“, sie wird mit „after hute uf ir hels“ bestraft.

Die Mehrzahl der 32 Einträge in das Verzählbuch betreffen nicht gezahlte Schulden, die Kuttelers waren demnach immer wieder in finanziellen Schwierigkeiten; Die anderen Einträge beziehen sich auf ungebührliches Benehmen nach Besuchen im Weinhaus oder dem Freudenhaus (insges. 4), aber auch (zwei Einträge) auf ungebührliches Verhalten gegenüber dem Gericht („ungehorsam gwest dem gerichte“, „die hern nach ym gesnt haben, … und er nicht komen wulde“), die beiden letztgenannten Einträge betreffen Caspar Kutteler, in beiden Fällen wurde er dafür mit „after hute uf sinen hals“ bestraft. 1454 sind Caspar und Balthasars Sohn eingetragen, „d. d. sie die pfarrer zcu sancte Nicolaus unde Iocoffe mit worten grobelichen obirfaren unde en unrecht gethan haben, after dieses tages“.

Der Caspar Kutteler scheint ab 1439 das „Oberhaupt“ dieser Familie gewesen zu sein, denn die vier Nennungen in anderen Urkunden der Stadt Freiberg betreffen ihn und seine berufliche Situation. Caspar Kutteler betrieb von spätestens 1463 an bis 1472 die Garküche („garbude“) der Stadt Freiberg, eine Tätigkeit die häufig von dem Kuttler einer Stadt wahrgenommen wurde, drei Einträge beziehen sich hierauf. Im vierten Eintrag geht es um den Verkauf des Kuttelhauses der Familie an die „erßamen czechmeister“ der Fleischer. Hier der Wortlaut der Einträge:

Einträge im Stadtbuch II

1463. Sub a. d. etc. LXIII hath man die Garbude gelassen Cosp. Kutteler unde sal alle wochen czwene gr. Davon geben. Och so sal die garbude obir offin stehen

1471. Casp. Kotteler ist gelassen dy iarbude ye dy woche II große gr. Und sal den pfifern und den knechten uffs hilgen lichnams tag eyn suppe und fleisch geben und eynen in dy herfart, wenne das nod thud, zu kochen ußrichten.

1463 Jan. 6  A. LXIII in die epiphanie. Abrechnung des Rathes mir Casp. Kutteler, dem die Garbude weder zcugesaget eird auf 2 Jahre von Fastnacht an gegen wöchentlich 2 Gr.

Eintrag im Gerichtsbuch I (1464-1480):

1467 Jan. 18 Am tage Priske – . Dy erßamen czechmeister (der fleischer) heben bekanth, nochdem sy abegekofft haben Casp. Kotteler von vormundeschafft wegen seynes sonis Stewbaus kinder eyn kottelhoff, doran sy beczalt dy,dy scholt doruffe haben und mit rechte erstanden und erlangit haben Ha. Schillig III J ß II gr., Mat. Sensensmid II ß gr., Asseman Fleyscher XLIIII gr., Alex Schillinge XVIIII J gr., Vinke zcu Frawensteyn I ß gr. (Fußnote: Ein Vermerk über weitere im Jahr 1468 geleistete Zahlungen auf fol. 65).

Das Kuttelhaus seines Sohnes Stewbaus (Stephan?) musste nach dessen Tod somit vermutlich verkauft werden, um dessen Schulden zu decken, die wohl beträchtlich gewesen sind. Aus der von der Fleischerzunft gezahlten Summe ist aber zu schließen, dass ein Kuttelhaus seinen Wert hatte.

In Freiberg hat es, wie zwei weiteren Einträgen zu entnehmen ist, mehrere Kuttelhöfe und andere, nicht zur Kutteler – Sippe gehörende Kuttler gegeben (Urkundenbuch S.105, Nr. 141 und Stadtbuch S.280, Nr. 82); in beiden wird von Kuttelhöfen in der Mehrzahl geschrieben: „den thorm öbir dem Wassirloche bie den Kotilhöfen“ bzw. Zinsen, „die da legen uf den Hüsern bie den kotilhöfen“. Dass neben den Kuttelers auch andere das Kuttlergewerbe betrieben haben, geht aus einem Eintrag aus dem Jahr 1432 hervor: („D.b.l.v.) einen „ D. b. l. v. (Die Bürger lassen verczehlen) Fra. Monch den Kutteler, d.d. (darumbe daz) er syn huße Sym. Lobisrich nicht entrumet hat, nochdeme er als em gericht unde den burgern wart geboten“. Der Eintrag stammt aus dem Jahr 14302. Im Stadtbuch II (Urkunde Nr.484, S.320) ist in einem Eintrag aus dem Jahr1484 eine Einigung zwischen dem Handwerke der Fleischer und Hans Braun wegen seines Kuttelhofes beurkundet, dieser Hans Braun ist demnach später ein weiterer Kuttler in Freiberg gewesen.

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